Der treibende Beat, das unverwechselbare Riff von Rolling-Stones-Gitarrist Keith Richards in “Start Me up” – die PR-Leute von Microsoft wussten schon, warum sie ein paar Millionen Dollar hingelegt hatten dafür, dass sie den Song der Rock-Legenden nicht bloß auf einer Mega-Launchparty vor genau 25 Jahren in Redmond bei Seattle spielen durften. Sie konnten damit auch Werbespots unterlegen, Spots für ihre jüngste Entwicklung. Eine, von der sich Firmengründer Bill Gates einen gewaltigen Sprung erhoffte. Die seinen alten Traum erfüllen sollte, den Traum vom PC auf jedem Schreibtisch.

Dabei war das Betriebssystem Windows 95 keineswegs eine technische Revolution. Zwar sah es – verglichen mit dem Vorgänger Windows 3.1 – verteufelt modern aus. Die grafische Nutzeroberfläche ließ sich endlich (wie beim Apple Mac schon länger) richtig mit der Maus steuern, auch Windows-Nutzer konnten nun zum Beispiel Daten auf dem Desktop ablegen. Doch dahinter verbarg sich uralte Technik. Aus Sorge, die Besitzer alter Software zu vergraulen, sollte das System auch Programme mit veralteter Technik laufen lassen können. Computerabstürze waren damit im wahrsten Sinne des Wortes programmiert.

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Trotzdem: Gates kam seinem Ziel, die gesamte Menschheit mit Personal Computern zu beglücken, ziemlich nahe. Die Verkaufszahlen stiegen und stiegen. Bereits in den ersten sieben Wochen verkaufte Microsoft sieben Millionen Kopien von Windows 95. Und auch die PC-Hersteller freuten sich. Denn nur gut ein Drittel aller damaligen Computer waren fit für Windows 95, die anderen mussten sich wohl oder übel einen neuen kaufen, wenn sie das neue, coole System nutzen wollten.

Microsoft hatte sich aber nicht nur mit der Rücksichtnahme auf alte Programme ein Ei gelegt. Schlimmer war, dass der Konzern in seiner ganzen Begeisterung, den Markt zu dominieren, eine epochale Entwicklung völlig falsch eingeschätzt hatte. Gates glaubte nicht an das offene Internet, bei dem jeder mit einem Browser ansteuern kann, was er will. Er glaubte an geschlossene Angebote, wie zum Beispiel AOL oder Compuserve, und wollte mit dem Microsoft Network (MSN) etwas Ähnliches aufbauen – um die Nutzer im eigenen Garten zu halten.

Mit einem eigenen Smartphone ist der Konzern kläglich gescheitert

Dann aber kam der Netscape-Browser. Das offene Internet war damit endgültig eine Tatsache, und Microsoft schaltete in den Angriffsmodus. Die folgende Auseinandersetzung ging als Browserkrieg in die Geschichte ein. Beinahe hätte sie dazu geführt, dass Microsoft wegen der Bündelung seines Betriebssystems Windows mit dem hauseigenen Browser Internet Explorer von der US-Kartellbehörde zerschlagen worden wäre. Das wirkt bis heute nach: Über neue Windows-Versionen berichteten Fachblätter stets in aller Ausführlichkeit, heute ist es ein Thema neben anderen. In einer Zeit, in der die wichtigen Entwicklungen in der Cloud passieren, auf Servern in Rechenzentren also, ist es nicht mehr so entscheidend, mit welchem Endgerät oder mit welchem Betriebssystem man darauf zugreift. Microsoft verschenkt Windows mittlerweile mehr oder weniger an Privatkunden, nur gewerbliche Kunden und PC-Hersteller müssen noch einen Obolus zahlen.

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Sein Geld verdient Microsoft heute überwiegend mit Dienstleistungen aus der Cloud. Software wird in vielen Fällen nicht mehr verkauft, sondern vermietet. Das schafft einen ständigen Geldfluss und befreit von der Notwendigkeit, teure Neuentwicklungen vorzufinanzieren. Dass der Software-Konzern diesen Wandel hinbekommt, hatten ihm viele Kenner der Materie schon gar nicht mehr zugetraut, nicht zuletzt auch wegen des Milliarden-Debakels mit den kläglich gescheiterten Windows-Smartphones. Doch der neue Chef Satya Nadella, seit 2014 im Amt, brachte den Supertanker erstaunlich schnell auf Erfolgskurs. Microsoft ist heute so erfolgreich wie nie in seiner Geschichte. Viele Software-Firmen können das nicht von sich sagen.

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